Veterinärmedizin
Leishmaniose kommt im Bereich der
Haustiere bevorzugt beim
Haushund vor. Für
Katzen,
Nager,
Rinder und
Hauspferd existieren ebenfalls
Beschreibungen der Erkrankung.
Ätiologie
Hunde und Nager scheinen das
Hauptreservoir des Erregers zu sein. Die
Übertragung auf Menschen oder andere
Säugetiere entspricht wahrscheinlich
nicht dem ursprünglichen Wirtsspektrum
der Leishmanien. Zur Entwicklung
benötigt der Parasit zwei
Wirte. Zum Einen handelt es sich
hierbei um ein Stechinsekt (Phlebotomus
sp. oder
Lutzomyia sp.), in dessen
Blut sich die etwa 10 bis 15 µm
lange,
begeißelte und
promastigote Form entwickelt und
vermehrt.
Wirbeltiere einschließlich des
Menschen tragen dagegen die mit 2 bis 5
µm Länge wesentlich kürzere
amastigote Form in sich, welche
geißellos ist und sich bevorzugt im
Zellinneren von
Makrophagen -hier besonders im
Bereich des
retikuloendothelialen Systems-
aufhalten. Dazu sind sie in der Lage
aufgrund ihrer Fähigkeit, den
Säuregehalt der
Phagosomen zu neutralisieren und
freie Sauerstoffradikale im
Makrophageninneren abzufangen. Hier
findet auch ihre Vermehrung durch
Teilung statt.
Die Einteilung der Parasiten erfolgt
anhand ihrer
Morphologie, des bewirtenden
Insektes, der Art der ausgelösten
Krankheitssymptome und
serologischen Tests. Daneben werden
nach der Ähnlichkeit der im Parasiten
aktiven
Enzyme
Zymodeme sowie nach speziellen
DNA-Mustern auf den
Kinetoplasten
Schizodeme unterschieden.
Pathogenese
Im Darm des übertragenden
Vektors kommt es nach dem Saugen
infizierten Blutes zu einer starken
Vermehrung der noch unbegeißelten Form,
welche sich anschließend zum größeren,
geißeltragenden Parasiten transformiert.
Mittels dieser Geißeln wandern die
Leishmanien aktiv in den Stechrüssel des
Insektes ein und werden von dort bei
dessen nächster Blutmahlzeit in die Haut
des Säugers übertragen. Sie werden von
dendritischen Zellen der Haut und
lokalen Makrophagen aufgenommen und
vermehren sich in deren Innerem. Nach
ihrer Vermehrung zerstören die Parasiten
die Zellmembran und werden so wiederum
im Organismus freigesetzt, woraufhin sie
neuerlich Zellen des Abwehrsystems des
Körpers befallen. Hauptsächlich findet
dieses in Lymphknoten, Knochenmark, Milz
und Leber statt.
Die Inkubationszeit
ist dabei sehr unterschiedlich und kann
zwischen einen Monat und sieben Jahren
betragen.
Entsprechend der Immunantwort des
Organismus verläuft die weitere
Krankheit. Resistente Tiere reagieren
auf die Infektion mit einer
zellvermittelten Immunantwort über T1-Helferzellen.
Überwiegt hingegen eine Immunglobulin-vermittelte
Immunantwort, werden die trotz der
Anheftung von Antikörpern noch
infektionsfähigen Erreger wiederum von
Makrophagen aufgenommen und die
Infektion breitet sich aus. Mit
zunehmender Dauer der Erkrankung wird
diese Immunantwort immer unspezifischer,
was durch ein Übermaß an zirkulierenden
Antigen-Antikörper-Komplexen letztlich
zur Ausbildung von Symptomkomplexen wie
der viszeralen Form , der
Nierenversagens oder zum Tod führen kann.
Neben dieser indirekten Schädigung
bewirkt der Parasit aber auch
unmittelbare Schädigungen, die sich in
granulomatösen Entzündungen von Haut,
Leber, Niere, Darm, Augen und Knochen
äußern können.
Klinik,
Diagnostik
Bild mehrerer Hautläsionen beim
Hund, mit zentraler Nekrose
Bild mehrerer Hautläsionen beim
Hund, mit zentraler Nekrose
Infolge der Tatsache, dass
Leishmanien nahezu alle Organsysteme des
Körpers befallen können, kann sich die
Krankheit sehr vielfältig darstellen.
Einem Großteil der erkrankten Tiere ist
jedoch das Auftreten von Störungen der
Haut gemein. Anhand der Verteilung
dieser Störung können Rückschlüsse auf
die Prognose der Erkrankung gezogen
werden:
- symmetrischer Haarverlust und
Schuppenbildung: mit 60 Prozent
der Fälle häufigstes Krankheitsbild,
das vorwiegend Tiere mit intaktem
Immunsystem entwickeln; beginnend
am Kopf verbreitet sich die Erkrankung
am gesamten restlichen Körper;
-
Hautgeschwüre über
Knochenvorsprüngen, an Schwanzspitze
und Ohren und im
Haut-Schleimhaut-Übergang:
betrifft 20 Prozent der befallenen
Tiere und deutet auf eine geschwächte
Immunabwehr hin. Die Symptome werden
einerseits direkt durch die Parasiten
hervorgerufen, können aber auch
indirekt über eine von Immunkomplexen
hervorgerufene
Vaskulitis verursacht werden.
- Knötchenbildung in der Haut: In
die Haut eingewanderte
Makrophagen führen zur Ausbildung
der Knötchen; weitere Abwehrzellen
sind nur geringfügig beteiligt. Die
Erkrankung tritt bei etwa 12 Prozent
der Patienten auf und weist auf eine
ungenügende Immunabwehr hin.
- generalisierte
Hautdegeneration mit
Pustelbildung im Bereich des
Körperstammes: mit 4 Prozent die
seltenste Form. Die Pusteln sind mit
einer nichteitrigen Flüssigkeit und
einigen Parasiten gefüllt. Die
Pathogenese dieser Form ist nicht
geklärt und es gibt keinen Hinweis auf
einen Zusammenhang mit der
Immunkompetenz des erkrankten Tieres.
- Re- oder inermittierendes Fieber
mit zwei Spitzen pro Tag (Doppelgipfliges
Fieber) ist ein Hinweis auf eine
viszerale Leishmaniose.
Neben den beschrieben Störungen kann
die Haut weitere Symptome wie
übermäßige Verhornung,
Krallenverkrümmung,
Nagelbettentzündung und
Pigmentverlust im Nasen-Maulbereich
ausbilden. Auch die Schleimhäute können
betroffen sein.
Neben der Erkrankung der Haut sind
häufig gleichfalls die inneren Organe
betroffen (viszerale Leishmaniose).
Je nach Organbeteiligung ist die
Ausbildung von
Leberentzündungen,
Darmentzündungen,
Nierenversagen,
Blutgefäßentzündungen,
Knochenmarkentzündungen,
Gelenkentzündungen,
Nervenentzündungen und
Muskelentzündungen möglich.
Infolge des sich ausgesprochen
vielfältig darstellenden
Krankheitsbildes kann die
Diagnosefindung schwierig sein, zumal
die Krankheit in den meisten Teilen
Deutschlands nicht
endemisch ist und daher oft nicht
zur Routinediagnostik gehört. Daneben
gibt es keinen absolut zuverlässigen
Test für die Krankheit.
Die Diagnosestellung beruht neben dem
direkten Parasitennachweis vor allem auf
Untersuchungen zur Immunantwort des
Wirtes.
Ein direkter Nachweis der Leishmanien
kann mittels
zytologischer oder
histologischer Untersuchungen
erfolgen, bei welchen Zellen des
Knochenmarks, der Lymphknoten oder der
Haut mikroskopisch untersucht werden,
was eine direkte Identifizierung der
sich meist intrazellulär befindenden
Leishmanien ermöglicht. Als weitere
Untersuchung bietet sich als
gentechnische Methode die
PCR an, welche bei Proben aus dem
Knochenmark eine Sensitivität und
Spezifität von fast 100 Prozent aufweist.
Unter den indirekten Nachweisverfahren
hat die
serologische Bestimmung von
Antikörpern mittels
Immunfluoreszenz-Test oder
ELISA die weiteste Verbreitung
gefunden. Obwohl auch hier Sensitivität
und Spezifität mit etwa 80 Prozent recht
hoch sind, können falsch negative
Ergebnisse bei frisch infizierten Tieren,
welche noch keine Antikörper entwickelt
haben, auftreten. Dieses Problem besteht
gleichfalls beim
Intrakutantest, der aber unter
Umständen eine Aussage über die Schwere
des Krankheitsverlaufes ermöglicht.
Ferner besteht die Möglichkeit eines
Stimultionstestes der mononukleären
Zellen des peripheren Blutes.
Therapie
Häufig ist eine vollständige Heilung
der Erkrankung nicht möglich. Die
therapeutischen Ansätze konzentrieren
sich daher neben der Erregerelimination
vor allem auf eine Stärkung der
körpereigenen zellulären
Abwehr.
N-Methylglucamin
Antimonat
N-Methylglucamin-Antimonat (Handelsname
Glucantim) gilt derzeit als Mittel der
Wahl in der Behandlung der Leishmaniose.
Durch das Medikament werden im Parasiten
ablaufende
Glykolyse- und
Fettsäureabbauvorgänge gehemmt. Die
abgestorbenen Leishmanien stimulieren
ihrerseits die zelluläre Abwehr. Das
Medikament wird nicht
im Darm resorbiert und wird daher
per Injektion an 20 bis 30
aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht.
Als Nebenwirkungen sind schmerzhafte
Schwellungen im Bereich der Injektion
beschrieben, außerdem kann es zur
Ausbildung von Magen-Darm-Beschwerden
kommen.
Miltefosin
Miltefosin wurde erst kürzlich
entdeckt und hat sich in Studien als
wirksam gegen Leishmanien gezeigt.
Miltefosin ist in Deutschland zur
Behandlung der Leishmaniose zugelassen.
Allopurinol
Der aus der Therapie der
Gicht bekannte Wirkstoff
Allopurinol hemmt die
Synthese von
Purinen im Wirtsorganismus. Da
Leishmanien nicht in der Lage sind,
diese Purine selbst darzustellen und
daher auf eine Versorgung über den Wirt
angewiesen sind, werden sie in ihrer
Entwicklung gehemmt. Die Verabreichung
erfolgt oral und wird meist mit einem
anderen Medikament kombiniert, da
Allopurinol lediglich
parasitostatisch wirkt.
Antibiotika
Bei Auftreten von Resistenzen gegen
eine Kombinationstherapie oder einen der
oben genannten Wirkstoffe besteht die
Möglichkeit des Einsatzes der
Antibiotika
Amphotericin B oder
Aminosidin.
Vom Institute for OneWorld Health
wurde das
Aminoglykosid-Antibiotikum
Paromomycin in klinischen Studien
erfolgreich gegen viszerale Leishmaniose
getestet. In Indien liegt für diese
Indikation inzwischen eine Zulassung vor.
Weitere
Wirkstoffe
Fallberichte schildern den
erfolgreichen Einsatz des
Antimykotikums
Ketoconazol sowie des
Anthelmintikums
Levamisol, der von Studien bisher
aber nicht bestätigt wurde.
Immuntherapie
Zur Stärkung der körpereigenen Abwehr
kann der Einsatz von rekombinatem
Interferon eine therapeutische Option
sein, da hierbei die Differenzierung von
Lymphozyten zu T1-Helferzellen
gefördert wird.
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